Sonntag, 7. August 2022

Unverhofft kommt oft

Huvudskär, in den Außenschären vor Stockholm


Kleine rote Häuschen schmiegen sich an den Fels, stehen ohne Zaun auf Abstand. Oben an der höchsten Stelle ein Leuchtturm. Wenig bis gar keine Bäume. Typisch für die kargen vom Wind umtosten Außenschären hier. Viele kleine Schären außenherum formen einen natürlichen Hafen mit Anker- und Felsplätzen.  Wir kommen von Norden, haben den abflauenden Starkwind genutzt und sind von einer meiner schönsten Außenschären-Labyrinten weiter gesegelt, weil der Wind mal auf West drehte und wir einfacher nach Südenwesten vorwärts kommen als die Tage zuvor. Der Himmel ist blau, die Sonne glitzert in den Wellen. Zu schön, um das unbekannte Tagesziel kreuzenderweise anzusteuern. Ich schaue einfach mal auf die Karte, was denn noch so auf dem Weg liegt. Huvudskär, sieht geschützt aus, Naturhafen. Der Name sagt mir was - hat das nicht mal Einer empfohlen?  Ich schau im Revierhandbuch nach und sehe auch warum. Malerisch. Weniger malerisch das Foto dazu. Viele, zu viele Boote, und heute ist auch noch Samstag. Ich bin auf einiges gefasst, nur nicht darauf, dass hier nur ein einziges Boot ist. Gerade vor uns rein gefahren, an die SXK Boje gegangen. Wir schmeißen den Anker im Lee einer Schäre und wollen vor den dunkeln Wolken noch schnell einen Rundgang machen. Zu sehr drängt es uns an Land, zu einladend diese kleine Siedlung. Vereinzelt sitzen Menschen vor den Häusern oder auf den Steinen, genießen die Abendsonne. 

Noch vor Anker vor Huvudskär

  

Der Regen naht


Nach dem Regen

Abendliche Romantik

Mit dem Regenschauer dreht der Wind. Wir liegen in der Welle und ich weiß nicht wie das heute noch weitergeht. Ich erkunde mit Schlauchboot die Schäre voraus. Und siehe da, ein Ring zum sicheren Festmachen und tief genug. Schnell ist umgelegt und mit dem Anlegen verschwinden die Wolken, die Sonne kommt raus und färbt alles ein. Unfassbar schön hier. Drüben auf der Hauptinsel wo die Häuser im Abendlicht glutrot leuchten ist es wie eine vergessene Filmkulisse. Im Museum erfahren wir von der alten Fischersiedlung mit Lotsenstation und Leuchtturmwärter. Zur Jahrhundertwende 1900 sollen hier mal bis 60 Menschen gelebt haben. Nun gehört das Ganze einer Stiftung, die es zu einem Denkmal gemacht hat und für den Erhalt kämpft und mit Tourismus das Ganze am Leben hält. 



Leuchturm auf Huvudskär. Wir haben Glück und jemand lässt uns rein

Blick aus dem Leuchturm

Huvudskär








Abendstimmung in Huvudskär

Sicher vertäut am Felsen



Die letzten 2 Wochen waren geprägt vom Segeln durch den Schärengarten. Schauen wo man bei dem vorhergesagtem Wind hinkommt. 

Allein segle ich nach Stockholm rein, hole Katharina wieder an Bord, treffe Christian und Eva nochmal,  treffen die SY Kira und Camino wieder und ich geh an die Felsen. Nirgends ist es gerade einsam, vor allem nicht in der Nähe zu Stockholm. Wir Segeln noch etwas zusammen, bis wir uns verabschieden müssen. jeder hat andere Ziele. Nicht ohne vorher auf dem kleinsten Boot Party zu haben.

Partytime auf der Camino

In den Schären vor Stockholm am Felsen mit Kira und Camino

Reinhard holen wir dann in Stävnäs am Hafen (gute Busverbindung zur Stadt) ab und segeln nach Ostholmen, gegenüber von Möja, mit morgendlichen Saunagang am besten Spot für eine Schärensauna. Dann wieder mal nach Gallnö, wo wir Mike, Niklas und Katja treffen, später kommen auch noch Björn und Jadoga an Bord. Gemütliches volles Boot am Abend.

Ostholmen. Beliebter Ort und selten so viele Grille gesehen. Wir liegen vor Anker. 

Bester Spot für eine Sauna

Ostholmen
Volles Haus auf der Slisand


Krokafladen, auch kein Geheimtipp mehr, aber mein Lieblingsplatz auf Gallnö


Oder wir machen an einem sehr windigen Kreuzkurssegeltag Mittags schon an einer Schäre fest und haben einen wunderbaren Abend mit Lagerfeuer und grillen auf der Glut. Biskopsön weiteres Archipel, weiter draußen kenne ich schon. Dort liegen wir vor Anker und treffen verabredet  den Kat Magic Cloud mit Johannes und Angelika. Die sind auf dem Weg nach Norden und nutzen den Starkwind. Wir brechen erst am Nachmittag auf. Und finden dieses Paradies hier. Huvudskär. Hier müssen wir bleiben.

Am Felsen in Braka

Reinhards Liebingsbeschäftigung. Feuermachen

Und das Cajon kommt auch zum Einsatz

Braka

Braka am Felsen







Sonntag, 24. Juli 2022

Noch immer allein

Ranö. Anfangs noch fast alleine. Das ändert sich gegen Abend

Mit dem Wind segle ich in den Süden. Segeln wenn der richtige Wind weht. Ich bin auf dem Weg nach Nynäshamn. Eine kleine Stadt mit großer Marina und vor allem einem Fährhafen südlich von Stockholm. Die Vorortbahn endet auch hier direkt am Hafen. Beste Bedingungen um Stefan, meinen nächsten Mitsegler an Bord zu nehmen. Ich bin 2 Tage zu früh dran. Aber lieber mit gutem Wind segeln und noch etwas in den Buchten rum bummeln, als gegen an zu kreuzen. 

Utö war mein erster Wartehafen. Runö nur einige Meilen weiter wird mein 2. Am Dienstag morgen mache ich mich bei Null Wind auf die kurze Überfahrt nach Nynäshamn. Ich gehe längsseits am Wellenbrecher, nicht ahnend, dass dies noch nicht der endgültige Platz bleiben wird. Ich bekomme das Bordrad gut von Bord, fahre zweimal in die Stadt und komme voll bepackt wieder, putze das Schiff, tanke Wasser. Plötzlich dreht der Wind und drückt mich mit nicht vorhergesagter Stärke auf den Schwimmsteg. Alle Fender hängen tief, doch in kurzer Zeit passieren 2 schnelle Fähren den Hafen. Die Boote fangen an zu tanzen. Ich bin an Bord und kann mit aller Kraft verhindern, dass der Winddruck und die Wellen das Boot auf den Steg setzen. Nun wird mir klar, warum hier nur schwere und große Boote liegen und noch mehr Fender draußen haben. Gut dass ich da gerade außen am Boot gearbeitet habe. Der Entschluss sich um zulegen ist schnell gefasst. Ich sehe auch eine frei Box. Den Motorbootfahrer am Steg, den ich gut für etwas Hilfe beim Anlegen gebrauchen kann,  muss ich mehrfach laut bitten, bis er das Boot vorne annimmt. Die vorbereite Leine sieht er nicht. Egal. Alles gut gegangen.

Nynäshamn am Wellenbrecher längsseits. Noch ist der Wind ablandig.

Ranö


Es wird noch große Wäsche gemacht und gönne mir mal einen Hamburger. dabei lerne ich am Tisch lustige Schweden kennen. Wohnen hier und haben mit Wassersüport nichts am Hut. Dennoch lachen wir viel. Und dann erfahre ich per Whatsapp: Stefan schafft die Fähre nicht. Seine 4 Stunden Zeitpuffer zwischen Bahn und Fähre wurde von einem Defekt bei der Bahn aufgefressen. Die Fähre fährt nur einmal die Woche., Also aus für ihn mit dem Urlaub. Er fährt zurück nach Dresden. Was für ein Frust für alle. Schade. Ich bin sprachlos. es tut mir so Leid für ihn.

Ich muss segeln um Frust abzubauen. Am nächsten Morgen starte ich früh und segle bei schwachem Wind unter Spinacker nach Norden. Am Abend hatte ich noch die Segelyacht Partner im Hafen getroffen, die ich 2016 in den Aalands kennengelernt habe. Wir hatten damals mit einer anderen deutschen Jacht das Halbfinale in der Fußball EM gesehen. War schön sich mal wieder zu sehen.

Auf nach Norden. Ein wunderbarer Tag

Ich segle über 30 sm vor dem Wind bis Norrviken bei Runmarö. Ich weiß, dass dorthin Ruby und die Everjoy kommen wollen. Es ist voll am Steg und auch in Bucht nicht leicht noch zu ankern. Die Kira mit Eddi und Petra kommen noch als Überraschnungsgast später ums Eck. Ich freu mich sehr sie wieder zu treffen. Die Kira war bis ganz oben am Ende der Ostsee und hat viel zu erzählen. Ich bleibe noch einen faulen Tag. Es ist sehr heiß. ich backe dennoch Brot. Der Teig geht so schnell. Das Brot wird lecker.

Am nächsten Tag kommt Christoph mit seiner jungen Crew auch noch dazu und macht für uns alle Frikadellen auf seinem mobilen Kocher. Kleine Party auf dem Steg bis uns die Mücken auf die Boote schicken.


Große Runde am Steg in Norrviken

Norrviken

Norrviken. Ein Steg des SXK. Gäste willkommen

Auch am Freitag morgen ist es noch voll in Helmsfladen auf der Insel Gallnö. Das erzählt Christan und Eva von der Chilly mir am Nachmittag. Als ich den Anker werfe ist es eher leer und es bleibt auch so. Es waren nur wenige Meilen, aber ich bin fast alles  gesegelt auch wenn ich mal kreuzen musste. 

Auch hier bleibe ich noch ein Tag. Ein Tag an dem die Sonne sich bitten lässt und nicht vorbeischaut. Es ist angenehm kühl. Wir machen einen längeren Spaziergang über die Insel. Es gibt noch Ecken wo wir nicht waren und finden eine andere schöne ruhige Bucht im Süden. Mal was für den Anker. Ein andermal.

Abends gesellt sich noch Christoph dazu und die Chilly bittet an Bord zum Essen. Er hat seine Jungs (Neffe mit Freund) am sehr frühen Morgen zum Flughafen gebracht und erholt sich nun bei uns in der Bucht. 

Schön und liebevoll präsentiert der Kaufmann sein reichhaltiges Gemüse

Gallnös Kneipe und Kaufmann

Grosse Bucht. Helmsfladen auf Gallnö

Helmsfladen. Ausgang für Kleinboote im Norden

Helmsfladen 


Die Windvorhersagen lassen mich nun am Sonntag auch aufbrechen Richtung Stockholm. Am Dienstag kommt Katharina wieder an Bord. Ich gehe bei Lidingö vor Anker. Dort warteten wir vor 1 Monat auf das Ersatzteil für den Motor. Keine Traumbucht, aber wohl die näheste Ankerbucht zur Stadt. Montag und Dienstag kommt mehr Wind. Dummerweise auf die Nase. Von hier aber nicht mehr so schlimm. 

das Brot wird immer besser.

Kein Wind. Erste Fahrt nur unter Motor. 

Auf dem Weg nach Stockholm



Am Morgen in Helmsfladen habe ich einen riesen Klumpen Modder und Gras am Haken. Ich lies den Anker im Wasser und lief langsam mit der Maschine. Dadurch fing ich mir das Kraut mit dem Propeller ein, was noch ein kurzen Tauschstop nötig machte. Wasser 18 Grad




Sonntag, 17. Juli 2022

Gemütliches Segeln vor Stockholm



Die Sonne scheint, der Wind ist eher frisch und sobald der Schatten von einer Wolke kommt, wird es kühl. Aber das ist gut so. Wenn ich von der Hitzewelle, die da gerade nach Deutschland rollt höre..

Die Tage flossen so dahin, viele Meilen bin ich nicht gesegelt. Die Hochsaison ist nun da. Paradiesviken ist echt voll. Auch beim Segeln muss man dauern aufpassen. Ich hab es noch nie so voll erlebt. Letztes Jahr im Einfluss von Corona war es noch ganz anders.  Die Jahre davor....ich war wohl weiter weg?

Nach Paradiesviken kommt noch Thomas mit seinem Hund Jamie. Wir kennen uns schon einige Jahre und hatten uns dort verabredet. Er will noch ganz nach Norden und freut sich über die Einladung von Christoph und Claudia zu Kartoffelpuffern auf den Steinen. Sandra und Micha von der SY Kasinga kommen mit ihren SUPs über die Bucht dazu. Gemütliches Sitzen, über die Bucht die Gedanken fliegen lassen,  Gitarre spielen und einen kurzen Regenschauer aussitzen. Das Farbenspiel danach lässt keinen ruhig mehr sitzen und die Handy haben Arbeit.

Thomas mit Bord Hund Jamie

Micha und Sandra mit dem SUP



Kartoffelpuffer a la Christoph

Gemütlicher Abend

Getrübt nur durch einen kurzen Regenschauer

Danach kommt das Licht wieder



Thomas verlässt uns früh am morgen nach Norden, während die anderen 3 eher zufällig das gleiche Ziel haben. Grizzleholm. Nur einige Meilen südlicher. Da ist es nicht so voll. Mir war es zu eng in Paradiesviken. Am Morgen hat mich mein Nebenlieger geweckt, indem er mal längsseits gegangen ist. Keiner hatte Fender draußen, wer hat das schon beim Ankern. Sein kleines, leichtes Boot ohne Aufbauten war nur mit einer langen Leine verankert. Der Wind war schwach und so schwoite er morgen kurz nach 6 an meine Seite. Es ist nichts passiert.  Ich weiß schon warum mir das schon am Abends zu eng war, als er da noch in die Lücke rein ist.

In Grizzleholm sind wir auf der Kasinga zum Essen eingeladen. Es geht uns gut. 

Vereint auf der SY Kasinga 

Grizzleholm

Sy Kasinga, HR42


Verrückte Wolkenwand (Foto: Sandra)

Morgens kommt Christoph und Claudia noch mal zum verabschieden längsseits. Claudia muss zurück, es war sehr schön mit ihr und Christoph. Ich segle weiter nach Süden. Den guten Nordwest bis West nutzend. Kasinga schließt sich mir an. Die Bucht Langviken auf Namdö mit der Holzofensauna reizt auch sie, denn es ist kalt geworden und es ist ihre erste Schärensauna.Sie gehen an die Felsen, wie viele in der Bucht, ich bleib mal etwas weiter draußen liegen, ich will nicht wieder von Ankernachbarn geweckt werden. 

Wir hacken Holz, schüren ein und gönnen uns 1 Stunde exklusives Saunieren mit kaltem Ostseebad danach. Abends lade ich zum Essen. 


Holzofensauna

Anfeuern ist angesagt

Anlandeplatz und Badeplatz vor der Sauna




Sauna auf Namdö

Kuschelig am Felsen

 Slisand Lady etwas abseits vom Trubel in Langviken

Ich bin früh wach und mache mich bald auf die Reise weiter nach Süden. Ziel ist Utö. Ich habe einen festen Termin in Nynäshamn und wer weiß, wie lange der schöne NW noch bläst. Es ist Samstag und Utö ist hier im Schärengarten wohl die Partymeile. Viele Motorboote im Hafen. Vor Anker ist es und wird es auch wieder eng. Ich fahre mit dem Dinghy die lange Strecke zum Hafen vor. Den Supermarkt nutzend und am Ende bekomme ich dort auch meine Campinggaz Flasche getauscht. Das es nicht billig hier wird, war mir klar, aber 65 Euro für 2,5kg ist schon heftig. Ist das schon die Gaskrise oder ist das modernes Piratentum. Die Insel ist teuer. Ich schluck es. Hab ja schonst wenig Kosten.

Hier vor Anker bleibe ich erstmal, putze mal das Boot und mach einen kleinen Landausflug. Die Sonne wärmt wieder, das Wasser hat 18 Grad und die Solarzellen geben genug Strom um mich unabhängig zu fühlen. 

Stolze Preise fürs Gas hier. 65 Euro

Bestes Brot. Die Ergebnisse werden immer besser

Voller Hafen auf Utö

In der langegezogenen Bucht im Süden liegt man sehr gut

Uto im Süden

Ankerplatz auf Utö. Im Hintergrund der Hafen

Utö

Utö