Samstag, 7. Juni 2008

Estland


Gitarre spielen und Segelstand kontrollieren ergibt komische Bilder

Flaute ist auch mal zu was gut. Temperatur ca 15 °

Beim Schreiben dieser Berichte auf hoher See


Brav wichen die großen Pötte dem sehr langsam fahrenden Segelfahrzeug aus

Lichtspiele

Auch um Mitternacht noch große Pötte und Licht im Norden

Kurz vorm Ziel dann endlose Flaute

Und noch eine Nacht auf See

Es gab schon viele Überschriften in meinem Kopf für diesen Eintrag. Geduld, Endlich da. Nun heißt es Estland, denn wir sind drüben, aber noch nicht da. Den Hafen in 1sm Entfernung zum Greifen nahe, hungrig und müde, aber der Hafen hat eine schwache Seite. Ist eher nur eine Betonpier und nach NE-E offen. Und wie es der Zufall so will, 10 Minuten, bevor wir festmachen wollen, kommt der vorhergesagte NE und gleich mit vollen 4 Windstärken. Den Tag über haben wir mehr als 3 Stunden getrieben und auf diesen Wind gewartet. Getrieben in einer alten Dünung, sodass ich die Segel bergen mußte, damit sie nicht so schlagen. 10 Meilen vor Estlands Einfahrt zum Rigaischen Meerbusen verbrachten wir unseren Tag.

Als ich dann beschloss, in kleinen Etappen zu motoren (30 minutenweise), da kam der Hauch Wind der uns bis fast in den Hafen gebracht hat. Nun sind wir also noch unterwegs, Wind von vorne, aber wenigstens mal mit mehr als 4 Kn segeln. Die ganze letzte Nacht waren es konstant 3 Kn. Der Wind drehte, hielt aber immer durch von SE über S, SW, W bis NW. Also ab Mitternacht Spi gesegelt fast die ganze Nacht. Dunkel wird es dabei fast nicht. Die Stimmung und die Farbigkeit des Himmels und des Wassers lassen sich nicht beschreiben, auch fast nicht fotografieren und filmen.

Eines ist mir noch aufgefallen. Viele große Berufsschiffe sind uns ausgewichen. In der westlichen Ostsee eine Seltenheit. Ist zwar erst mal ein komisches Gefühl, wenn du den Riesen plötzlich direkt von vorne siehst. Doch mit der Zeit hatten wir das raus. Nun geht hinein in die 2.Nacht. Denke, zum Frühstück sollten die 20sm gegenan erledigt sein.

Freitag, 6. Juni 2008

Unterwegs


letzte Landmarke im Farösund

Gestern bei total glattem Wasser schlafen gegangen, unklar, ob wir am nächsten Tag überhaupt wegkommen. Morgens wache ich auf und höre, wie die Wimpel am Mast flattern. Und siehe da. Leichter SE der sich später sogar auf 2-3 stabilisiert. SE bedeutet aber halt erst mal gegenan. Wir kreuzen unter der riesigen Genua nach Südosten. Bin ja so froh, dass ich mich gegen meine Rollfockanlage entschieden habe. Könnte sonst gar nicht diesen riesen Lappen nutzen.

So, letzte Wende am Ausgang des Sundes gemacht, Kurs E liegt an. 5 kn Fahrt. Mehr konnte ich hier mitten im Hoch nicht erwarten. Mal sehen, wie lange es durchsteht.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Bester Segelwind


Nachts um 23 Uhr im Farösund


Farösund

Teures Längsseitsliegen...

...aber sonst ein netter kleiner Hafen



Entspanntes Segeln heute, leider entdecken wir erst jetzt den Stadtführer, der uns Visby erklärt

mit fast konstant 5 Kn gings heute 50 sm an Gotlands Küste hoch.

Auch der Skipper hat mal frei

Der Köder ist leider alles was an der Angel hängt

Der Leuchtturm der die Ansteuerung zum Farösund markiert


Heute sollte es mit Geduld gehen, vorhergesagt war ja nichts Gutes (ich meine Wind). Auch als ich morgens zum Duschen ging, hingen alle Flaggen im Hafen herunter. Hatte also nicht viel Hoffnung für die 45 sm heute. Dachte schon an Nachtfahrt.
Aber ich habe erst mal die Pechdose voll und es blies (wie sollte es anders sein) aus NE. Unter Land drehte es leicht auf N und blieb auch mehr N als NE. Deshalb waren die Kreuzschläge nicht so stark und wir konnten die 50 sm bei 2-3 Windstärken in 10 Stunden abreiten. Keine Welle, Wind sehr konstant, keine wirklichen Dreher. Ich glaube, da wollte sich jemand entschuldigen. Deswegen gab es auch kurz vorm Ende für jeden einen Schluck Sherry. Natürlich zuerst für Neptun.

Leider waren wir mit fast 5 kn zu schnell und an der Schleppangel hing doch nur wieder der nett aussehende Köder alleine dran und kein Lachs. Den hatten wir Gott sei Dank noch warmgeräuchert als Vorrat von gestern dabei.
Abends gings in den Farösund im Norden Gotlands. Leider landeten wir in einem kleinen Piratennest. Beim Bezahlen der Liegegebühr musste ich, trotz fast leeren Hafens, die doppelte Gebühr zahlen, weil wir längsseits lagen. Das ist eine Premiere. Das gabs in all den Segeljahren noch nie. Ich dachte er will mich vera...., selbst Visby (eigentlich zu teuer) war da noch billiger.

Dennoch ist es recht schön hier. Muss jetzt nur noch so oft wie möglich von Bord steigen und wieder zurück, damit sich der Luxus des Längsseitsliegens amortisiert ...
Da werden wir morgen, trotz schlechter Windvorhersagen (sehr schwach), nicht bleiben und uns gegen Mittag zur "großen" Überfahrt aufmachen. Denke, wenn es einigermaßen gut geht, sind wir am Sonntag im Lauf des Tages in Kurresarre in Estland.
Der Motor war heute auch lieb. Trotz fast 45 Minuten Laufens ist das Kühlwasser dort geblieben, wo es hingehört, und das Öl klar.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Hoffungsschimmer


Visby am Abend



Erfrischendes Bad im Süßwasser

und überall die Paparazzis

für Heilke ;)


Sandstrand im Osten der Insel


Inzwischen ist der Hafen voller geworden. Mußten unser Boot auch an ne Heckboje hängen. Der "lange Amerikaner" konnte bleiben. Der Hafen liegt mitten im Zentrum. Dennoch muß man, um in die "Stadt" zu kommen, den Berg hinauf.

Im Norden Gotlands



Warmgeräuchertes Lachsfilet direkt beim Fischer gekauft.

.. und hier verspeist. Lecker....

Heute Morgen fand ich die email, auf die ich schon gestern hoffte. Vom dänischen Hersteller des Motors. Er nannte mir einen Bukh Service in Tallin. Nach einem kurzen Telefonat bin von dem Optimismus und der Freundlichkeit die der Mann in Tallin verbreitet angesteckt und bin guter Dinge, das Motorproblem in Tallin zu lösen.

Deswegen werden wir morgen auch weiter segeln um spätestens am Wochenende den langen Schlag in den Rigaischen Meerbusen machen. Der Wind dreht auf W, wird aber schwach, das ist ohne Motor wieder ein Geduldsspiel. Dieses Mal bin ich darauf vorbereitet und ist ja egal, ob wir Sonntag oder Montag ankommen. Dienstag ist Starkwind aus Nord angesagt.

Die Amerikaner wollten eigentlich auch nach Tallin, sind aber von dem NE der letzen Wochen so hinter ihrem Terminplan zurück, dass sie morgen nach Marieham auf den Aaland-Inseln aufbrechen. Mehr mit Motor als unter Segel. Gestern Abend waren wir zum Sundowner bei ihnen auf ihrem 48ft Boot (ein Sparkman & Steven Riss aus den 70igern) eingeladen. Nach 2 großen Jack Daniels war mein Englisch perfekt und mein Trübsinn verflogen. Heute kam Tanner, der Skipper, um mein Boot anzuschauen. Sie waren gestern schon begeistert stehengeblieben und wollten alle Infos haben. Amerikaner haben einen Sinn für traditionelle Linien.

Heute haben Gabi und ich uns einen Leihwagen geleistet um noch einen Teil der Insel zu sehen. Leere Straßen durch endlose Kiefernwälder, kleine Dörfer mit Kirche und 4 -6 Häusern. Kleine Häfen, wo außer einer Handvoll Fischerhütten nichts ist, man fragt sich, von was die hier leben. Später sind wir noch durch große landwirtschaftliche Flächen gefahren, nicht aber ohne vorher noch an einer Badebucht das Meer und die Sonne zu geniesen. Eine Bucht, die einlädt zum Ankern: Sandviken im Osten. Im Landesinneren kann man auch im Süßwasser in einen der vielen kleinen Seen baden. Ist zwar kalt, aber für einen kurze Abkühlung allemal gut.
Fast 250 km durch eine gar nicht kleine Insel, mit viel Natur, Einsamkeit und lieblichen Häusern. Da muss man mal länger Zeit haben.

Dienstag, 3. Juni 2008

Niedergeschlagen


Bei Blues hilft nur Blues



Visby / Gotland: Viel grauer Stein aus alten Tagen wechselt mit...

...gut erhaltenen alten Bauten.




Mühevolles Kreuzen nach Gotland. Die Sonnenuntergänge machen es erträglicher.


Fast allein am ersten Tag in Visby. Mit am Steg ein Boot aus den USA, der Besatzung wir später noch gut kennen lernen.




Hatten gestern einen harten Segeltag. Wir brauchten 16 Stunden für die 50sm von Nordöland bis Visby. Der Wind hatte alles zu bieten, Dreher, Flaute, Starkwind. Ging an die Nerven und die Kraft.
Erst gings vielversprechend los unter Spi. Doch schon nach knapp 2 Stunden Winddreher von SW auf SE. Also am Wind weiter unter großer Genua mit ca 4kn. 2 Stunden später totale Flaute. Trieben im Schifffahrtsweg nach Norden. Trauen uns aber nicht den Motor zu nutzen (wollen ihn fürs Hafenmanöver schonen).

Ich glaube, ich habe selten so gemerkt, wie einfach es ist, beim Segelboot den Motor anzuwerfen und bei spiegelglatter See Strecke zu machen. Nun haben wir Segeln wie vor 100 Jahren ohne Motor aber mit Geduld (und Nerven, weil man ja nie weiss, wie lange das geht).
Na ja, 1 Stunde später ist im Norden ein dunkler Streifen zu sehen. Und es ist tatsächlich Wind. Natürlich von vorn, aber besser als gar nichts. Doch schon 20 Minuten später muss die kleinere Genua hoch und 1 Reff ins Groß. Die Welle wächst schnell auf fast einen Meter. Gut dann eben so.

Doch kaum dass die Sonne gegen Nordwesten den Horizont zustrebt, ist der Wind weg und das bisschen was bleibt dreht auf Ost. Ok, Wende, große Genua hoch, Reff raus, doch die Welle aus NE und Wind aus E machen eine nette Kreuzsee und das bei 1-2 Windstärken. Das Boot stampft nur noch und segelt maximal mit 1-2 kn nach Norden. Dann eine leider zu kurze Böe und wir können mit 5 kn Visby anliegen. Hoffnung keimt auf.... Noch 12 sm. Super. Ihr wisst schon wie es weiter geht, Wind wieder weg und dreht dann auch wieder auf NE. Kommt dann noch mal kurz wieder, wird so stark, dass ich wieder die große Genua gegen die kleine tauschen muss und 1 Reff einbinde. Doch auch das hat keinen Bestand.


Am Ende schaffen wir es mit kleiner Genua und ohne Reff gegen 1 Uhr nachts vor die Hafeneinfahrt von Visby auf Gotland. 2 große Fähren lassen uns auch noch etwas frösteln, weil sie mit Affenzahn auf uns zuhalten und erst kurz vor knapp ausweichen um in den Hafen einzulaufen. Gut, dass es nicht stockdunkel ist. Im Norden ist immer ein roter Schein zu sehen und der Himmel hat immer etwas Blau zu bieten. Ohne Probleme finden wir einen Platz im leeren Gästehafen.

Noch am Abend mache ich mich auf um nach einer Werkstatt in Hafennähe zu fahnden. Leider ohne Erfolg. Beim Hafenmeister hängt aber ein aufmunterndes Sätzchen. "Etwas kaputtgegangen? Dann melden Sie sich im Büro, wir helfen Ihnen die richtige Telefonummer zu finden". Öffnungzeiten 9-11 Uhr. Ok, um 9 Uhr steh ich da, muss noch etwas warten, aber ein sehr netter junger Schwede mit perfektem Englisch und Motorkenntnissen versucht mir zu helfen.

Viele Telefonate später und nach einem Besuch eines Mechanikers an Bord kommt aber die Erkenntnis: Hier auf der Insel kann der Motor nicht repariert werden. Die einen haben keine Ahnung, die anderen erst in 14 Tagen Zeit, ausserdem machen sie nur selten andere Mororen als die ihren.

Was tun? Bin unentschlossen. Zum einen habe ich ein Segelboot und für kurze Hafenmanöver geht der Motor ja. Muss halt immer häufig einen Ölwechsel machen. Nicht billig, aber machbar. Der einzige Bukh Service hier im Osten Schwedens sitzt in Stockholm (120 sm in die falsche Richtung). In Tallin....?? Keine Ahnung, was mich dort erwartet.

Bis zum Freitag werden wir wohl hier bleiben. Ab dem Wochenende scheint der stete NE gebrochen und wir können mit westlichen Winden rechnen. Leider liegt der Kloß von der Unsicherheit mit dem Motor doch stark im Magen. Keine Ahnung, ob ich den Motor ganz kaputt mache. Nach einem Telefonat mit dem deutschen Service ist es wohl ziemlich sicher ein kleiner Haarriss im Zylinderkopf, der mir das Kühlmittel im Öl beschert. Der weitet sich meist erst nach langer Motorfahrt. In den kurzen halbstündlichen Hafenmanövern habe ich keinen Kühlwasserverlust entdecken können.

Leider braucht es aber um den Zylinderkopf auszutauschen einen Fachmann. Abbauen kann ich ihn, da habe ich in Rönne zugeschaut. Aber Ventile einpassen und einstellen usw. da fehlen mir 3 Jahre Lehrzeit.

Montag, 2. Juni 2008

Grau ist alle Theorie




Abendstimmung in Byxelkrok / Öland




Grau ist alle Theorie und leider schon wieder mein Öl. Hatten wir doch so ne tolle Theorie aufgestellt, wo das letzte Mal die Öleintrübung herkam. Diesmal ist mir bei der Kühlwasserkontrolle schon klar gewesen, wie das Öl aussehen würde. Der Motor läuft aber reibungslos. Habe nun 2 Reinigungs-Ölwechsel hinter mir, Kühlwasser wurde gehalten. Traue mich aber außer für ein kurzes Hafenmanöver nicht den Motor auf Last zu fahren. Heute war der Wind eingeschlafen. Normalerweise heisst das: Motoren. Wir kämpften dagegen ca 1 Stunde mit unter 1 Kn Fahrt und 90 Grad Winddrehern. Und konnten dann aber spät mit einer schönen Abendbrise im Norden Ölands in einen fast leeren Hafen schlüpfen. Einmal D,S,NL und Estland liegen hier. Der Hafenmeister sehr nett. Leider ohne Wlan (gerade kaputt), deshalb müßt ihr mir glauben, wie schön es hier ist.
Leider nagt das Motorproblem etwas am Glück. Morgen wollen wir ein Westwind-Fenster in all dem Ostwind nutzen und nach Visby segeln. 45sm, eventuell unter Spi. Könnte schön werden. Dort hoffe ich das Motorproblem lösen zu können. Es muss ein kleines Leck sein, denn das Kühlwasser verschwindet erst ab einer längeren Motorlaufzeit. Wenn jemand ne Idee hat, schreibt mir doch ne Mail (rechts auf meinen Namen klicken). Keinen Kommentar, den kann ich ohne Wlan nicht lesen.
Visby und Gotland sollen schön genug für nen längeren Aufenthalt sein.

Sonntag, 1. Juni 2008

Erste Schären



Immer bei der Arbeit


Die ersten Seemeilen für Gabi.

Mein kleiner EeePC, der sehr stromsparend läuft und mir mein Wetter decodiert, dass ich mit dem KW- Empfänger darüber empfange.
(RTTY-Signale)


Abends vor Anker. (Da hatte ich noch nicht in den Motor geschaut)

Gabi hat ein Spiel mitgebracht, indem sie anfangs unschlagbar ist (ich sagte anfangs ;) )


Das einzge Boot weit und breit





Heute ruhiges, aber fast bestes Segelwetter (NNE 3). Zwar wie immer gegenan, aber was soll man erwarten bei jemandem der den Nordosten der Ostsee erkunden will und einen Jahrhundertfrühling hat. Da kommt der Wind nun mal aus NE. Heute gemütlich den Kalmarsund nach Norden gekreuzt und in einer kleinen, auf der Karte unscheinbaren Schärenbucht nach 7 Stunden und 31 sm vor Anker gegangen. Ganz alleine mit ein paar Schwänen, abflauendem Wind, den Abend bei Rotwein im Cockpit verbracht. Inzwischen ist Gabi als Mitseglerin eingestiegen.
Diese Bucht ist ein echter Tipp (gegenüber von Timmernabben), aber nur mit etwas Mut und Kartenplotter sicher zu erreichen. Aber ich habe auch die Grenzen erkannt. Ein Stein, kaum 10cm über Wasser, ist nicht kartografiert. Man muss sehr langsam fahren und mit allem rechnen, dann geht das schon. Der Lohn ist einfach einmalig.