Mittwoch, 18. Juni 2008

Französischer Abend


Noch vollzählig, ein Abendessen mit Hank

Abfahrt, Gabi nutzt die Chance auf einen weiteren Segeltag und Helsinki.
Sie sind nach einer schnellen Überfahrt (meist 7 Kn unter Segel) gut angekommen. Nur den Regen haben sie auch abbekommen.

Direkt gegenüber dem Hafen hat am Montag ein großer Supermarkt eröffnet. Die Auswahl ist enorm - vor allem auch Fisch in allen Variationen. Habe fürs Abendessen einen Lachs geholt.

Spätnachts: Hank mit dem Drecksack

Ein Regentag im Hafen, der soviel Atmosphäre wie ein Autobahnrastplatz bietet, und mit der Aussicht, dass man vor Sonntag hier nicht wegkommt, läßt schon leicht den Blues aufkommen. Und wie schon mal geschrieben, bei Blues hilft Blues.

Diesen habe ich gestern Abend mit Hank gespielt. Aber da sich sein Drecksack (so heisst die Quetsche in Holländisch) nicht wirklich dazu eignet, wurden es dann melancholisch heitere Melodien aus Frankreich. Dazu gabs anfangs bei Hank noch Calvados und später bei mir recht viel Pastis. Zwischendrin immer wieder Gespräche über Musik und kleinen Einlagen aus der Konserve. Hank hat in seiner Segelzeit schon viele Kulturen durchreist und einiges vorzuspielen gehabt.

Spät ging es ins Bett und heute Morgen war mal Ausschlafen ohne Zeitdruck angesagt. Sitze nun im Hotel, da der Internetzugang an Bord mehr als lückenhaft ist, frühstücke und schreibe diese Zeilen. Draußen regnet es weiter, doch im Südwesten klart es langsam etwas auf. Denke, wir werden nachmittags noch nach Tallin reinfahren und schauen, ob ich auch so ne schöne Flasche Calvados bekomme. Hank kennt die Läden.

Der Motormechaniker hat mir gestern mitgeteilt, das Ersatzteil sei von Dänkemark losgeschickt worden. Es ist jetzt zwar Ferienzeit hier, aber er hofft, dass es diese Woche noch kommt. Nächste Woche Montag und Dienstag ist hier Mittsommer-frei und keiner arbeitet. Auch Hank hofft nun, noch diese Woche seine Ersatzteile zu bekommen.

Dienstag, 17. Juni 2008

Allein

Heute ist der ideale Wind um nach Helsinki zu segeln. Deshalb sind auch fast alle ausgelaufen. Nur Hank und ich sitzen mit Motorproblemen fest. Hank hat heute die Mechaniker da und hofft, dass alles schnell geht und er auch bald "rüber" kann. Ich werde bis Sonntag hier aushalten müssen. Langsam gewöhnt man sich an diesen Hafen etwas vor den Toren Tallins.

20 Minuten Busfahrt, selten länger als 5 Minuten Warten auf einen Bus, machen die Sache erträglich. Tallin ist wirklich schön. Klar touristisch aufbereitet, mit Kreuzfahrtanleger und sonstigen touristischen Gruppen. Aber in den vielen Gassen verläuft es sich es ganz gut. Überall Hinterhöfe, Cafes und Restaurants. Das Preisniveau liegt bei dem von München, aber dafür bekommt man sehr gutes Essen. Habe schon mehrmals lecker Fisch gegessen, welcher zu dem Preis bei uns nicht zu bekommen wäre. Und so läßt es sich aushalten, auch wenn ich gerne lieber segeln würde.

Am ersten Tag haben uns Ruth und Wilfried gleich mitgenommen auf eine recht lange Besichtigungstour. Sie kannten schon einiges und wußten, wo man hingeht. Ich kam mir vor wie so ein Japaner, überall, knips, knips - naja, ihr sollt ja auch einen kleinen Eindruck von hier bekommen.
http://modellsegeln.net/tallin.exe

Sonntag gabs am Rathausplatz einen Mittelaltermarkt und auch sonst laufen viele in den Kleidern der "Alten Hanse" durch die Stadt. Ich lasse mich am liebsten treiben. Bewußte kulturelle Ziele habe ich noch nicht angelaufen, doch die Russisch-Orthodoxe Kirche gehört bestimmt zum "must see".

Gestern abend dann im Hotelfoyer mit 9 Leuten von 5 Schiffen das EM Fußballspiel geschaut, viel geratscht und lange Abschied gefeiert. Heute morgen um 7 Uhr fuhren, trotz kurzer Nacht, alle gleichzeitig los. War ein komisches Gefühl mit Hank an der Mole zu stehen und allen zu zuwinken. Gabi ist an Bord der RUBY und schaut sich 2 Tage Helsinki an und kommt am Donnerstag mit der Fähre zurück. Ich nutze die Zeit die Versorgungslücken zu schließen, einige Dinge am Schiff zu werkeln und zu putzen. Am Freitag kommen Heilke und Christian.

Montag, 16. Juni 2008

Erleichterung


6 Km außerhalb liegt der Yachthafen und dennoch nah, da der Bus regelmäßig geht und nur 20 Minuten braucht.

Gestern ein starker Wind. Kreuzfahrer vor Tallin

Ein Blick über Tallin (mehr als Diashow demnächst)

Gemütliches und gutes Abendessen zu deutschen Preisen

Der kleine Riss in der Mitte ist der Übeltäter

Erleichterung??? Ja ich weiß nun, wer schuld ist am Wasser im Öl. Ein kleiner Riss zwischen Einlass- und Auslassventil, wie mir schon der Servicemann aus Bremen ferndiagnostisch gesagt hat. Ja, ich brauche einen neuen Zylinderkopf, ja, es kostet nicht wenig, aber es kann in dieser Woche gelöst werden, das Problem, dass die letzten 4 Wochen mich doch eingeschränkt und stimmungsmäßig stark leiden hat lassen.

Aber es ist auch ein Problem, dass viele neue Bekannte und Freunde schafft. Ein Motorproblem ist ein Problem unter vielen, dass Segler auf langer Reise halt nun mal haben. Der andere hat eine gerissenes Groß - viel schlimmer, ich konnte wenigstens Segeln. Aber hier in Tallin schweißt es die Leute zusammen. Zusammen bekommen wir das schon hin. Und es tröstet, man ist nicht der Einzige.

Ansonsten gewöhnt man sich an den Hafen und die teuren Duschen. Irgendwie ist hier gerade eine sehr familiäre Atmosphäre. Der Hafen vom Wochenende wieder leer von den Mengen Finnen, die hier regelmäßig zum Einkaufen von Alkohol einfallen. Eine Handvoll Deutscher klönen oft zusammen am Steg. Wir und Ruth und Wilfried von der RUBY unternehmen regelmäßig Stadttouren (Bilder dauern noch, da so viele gemacht und sortiert werden müssen) und Essen zusammen. Schade, dass sie morgen weiter nach Helsinki segeln. Gabi wird sie begleiten und am nächsten Tag wieder mit der Fähre zurückkommen. Ich werde wohl etwas die Stadt filmen und einige kleine Dinge am Boot basteln. Das Großsegel muss noch zum Segelmacher, wegen kleiner Nähte usw.

Klaus und Evi sind auch eingelaufen. Alle zusammen haben wir heute gemütlich den Nachmittag in einem Cafe in der Stadt verbracht. Heute spät abends noch ein Treff in der Hotellobby, weil da ein Fernseher steht, um das Spiel gegen Österreich nicht zu verpassen. Hank liegt auch fast nebenan. Er bekommt morgen Besuch vom Motorservice. Auch er ist guter Dinge, seine Einspritzdüsen hier in Tallin gerichtet zu bekommen. Es ist ein Leben zwischen Arbeit und Urlaub, zwischen Reisen und Abenteuer. Es geht mir gerade gut. Aber die Gefühlswelt fährt bei einer solchen Reise halt nun mal Achterbahn.

Sonntag, 15. Juni 2008

Tallin

Nun endlich sind wir in Tallin gelandet. Eigentlich eine wichtige Etappe in meiner Reiseplanung, andererseits ein Zielpunkt der mich gefangen hält. Ich werde in diesem ungemütlichen, riesigen Hafen außerhalb der Großstadt eine Woche verbringen müssen, ohne anständige Sanitäranlagen und Gemütlichkeit. Wären da nicht die vielen Bekanntschaften mit anderen Booten, man könnte depressiv werden.

Die Überfahrt hierher war wie immer nicht von Sorglosigkeit geprägt. Erst der Wind gegenan, dann der Dauerregen mit Windsprung und dann kurz vor dem Kreuzen des Verkehrstrennungsgebietes die Flaute und das weiße Öl.
Also Ölwechsel auf See, doch als ich fertig war, neuer Wind und gutes Rüberkommen über die gefährliche Talliner Bucht. Dann langes Suchen nach dem Gastliegeplätzen und immer noch der Regen.

Abends ein, bei weiter prasselnden Regen, gemütliches Essen mit Hank und ein Wiedersehen mit der RUBY. Nach einem Spaziergang sehr spät durch den Hafen die traurige Gewissheit, hier eine Woche verbringen zu müssen. Gott sei Dank ist man ja nicht allein und die Offenheit der Segler ist groß. Einige andere haben auch irgendwelche technischen Probleme zu bewältigen. Mir geht es also nicht alleine so.

Morgen aber erst mal Hoffen, dass der Mechaniker auch kommt und nicht allzu große Probleme am Motor findet.
Dann auch mehr und Bilder vom ersten Tallinrundgang.

Freitag, 13. Juni 2008

"SssscheeeiSSS Spiel"




Moderne Sanitärräume. Hinten die Sauna
Unklare Piktogramme. Wer soll wo rein?
Die Molly aus Wilhemshafen. Kleiner Motorkreuzer aus den USA
Die Ruby verläßt uns am Morgen
Die weite Bucht von Lohusalu. Ein Wrack zeigt an, wie flach es wird
Der Blick von den Sanitärgebäuden auf den kleinen Hafen
gemütliches Beisammensein
Die Molly kommt noch. Auf der Mole der Hafenmister als Empfangskomitee
Gabi hat eine "Sprachverwandte" getroffen.
Die Nacht wollte einfach nicht dunkel werden.
Der "goldene Traum"
Die Midget 26 von Hank haben wir schon in Dirhami getroffen
Ideale Segelbedingungen

Nur die Welle war etwas hoch
Mehr Bilder von Lohusalu gibt es hier: http://modellsegeln.net/lohusalu.exe

"Ssscheeiss Ssspiel",
sagte Winfried von der RUBY und goß allen noch mal nach, vom Klaren natürlich, wie man ihn halt trinkt im Ruhrpott. Als Dortmunder geboren und damit auch BVB Fan, hatte er das Spiel der Deutschen gegen Kroatien beim Hafenmeister im Fernsehen angeschaut. Schon an seinem Gesicht, als er über den Steg kam, war klar: Die Deutschen haben verloren. "Wie kann man auch mit 6 Ersatzspielern gewinnen?"

Gabi saß da schon auf der RUBY und hatte sich mit Ruth auf Schwäbisch angefreundet. Vorher noch in der Sauna, wie ich und Hank, der Einhandsegler aus den Niederlanden. Hank lebt auf dem Boot und ist nach seiner frühen Pensionierung mit 53 auf sein Schiff gezogen, eine zeitlang durchs Mittelmeer gesegelt, dann über die Azoren wieder gen Norden und will dieses Jahr noch ganz hinauf.

Bewundernswert sein kleines Boot. Eine Midget 26. Mir kein Unbekanntes, ein kleines, knuffiges, hochseetaugliches Boot. Nach der Ostsee ist die Karibik dran. Hank ist ein sehr lebensoffener und fröhlicher Mann der mit seiner Ziehharmonika schnell Freunde findet.
Und da war gestern noch Karlheinz, der frühere Binnenschiffer mit seinem kleinen Motorboot MOLLY. "Zeitmillionäre" nennen wir sie. Auch auf dem Weg ganz nach Norden und wundert sich, dass es keine weiteren Motorboote gibt, die den Weg hierher machen.

Ein gemütlicher Tag und vor allem Abend, der fast kein Ende fand, weil es einfach nicht richtig dunkel werden wollte. Wir entschieden uns daher heute hier zu beiben. Der Wind ist eh schwach und wir werden genug Tage noch in Tallin haben, wohin sie alle heute morgen bereits aufgebrochen sind.

Gestern war ein Segeltag vom Feinsten, Schiebewind mit 4, später 5 Bf, Groß und Fock oben, ausgebaumt und wilde Welle von hinten. Hochseesegeln Pur. Und da wurde auch mal die Windfahne unter diesen "Passatbedingungen"getestet. Und? Klasse. Auch die Wellen machen dem Gustav nichts aus. Er findet immer wieder zu seinem Kurs zurück.

Nach einem kurzen Segeltag sind wir in Lohusalu gelandet. Ein kleiner Sportboothafen eine kurze Tagesreise von Tallin weg. Vom unformierten Hafenmeister gleich empfangen und einen Liegplatz zugewiesen, lagen wir in einer netten Gruppe von ca. 10 Booten. Nicht ganz billig hier (ca. 23 €), dafür Duschen ohne Ende und Sauna frei in einem sehr schicken und modernen Sanitärgebäude.

Nur die Lebensmittelversorgung ist etwas eng. Angeblich soll es im Ort, ca 3 km von hier, etwas geben. Gabi und ich konnten trotz eines kleinen Ausfluges in diese Richtung nichts finden. Dafür ein wunderschöner Spaziergang durch ein im Kiefernwald verstreut liegendes Dorf mit zum Teil sehr großen modernen Häusern. Ganz im Gegensatz zu den kleinen alten Bauernhäuseren aus Holz.
Nachher werde ich noch mal das Rad nehmen und etwas weiter vordringen ins Land und hoffe uns noch ein Abendessen aus der Konserve zu ersparen. (Nach gut 4 km ein kleiner Laden, dennoch Essen gegangen im Hafenrestaurant. Lachs zu zvilen Preisen)

Bin mal gespannt, wer heute hier noch einläuft. Fliegen sind schon recht zahlreich erschienen. Die anderen vermisse ich, es war gestern so richtig heimelig hier. Auf 5 Booten zuhause, gesessen und getrunken, erzählt und gelacht.
Gut, dass wir uns alle am Sonntag in Tallin wieder sehen. Ich denke Klaus und Evi werden bis dahin auch nachgekommen sein.
(heute nur Finnen eingetroffen)
823 sm seit Kiel

Mittwoch, 11. Juni 2008

Alles wieder gut


Es gibt kein schlechtes Wetter....


Naß wars heute etwas

Viel kleine Inseln um uns herum

Das Meer hatte die ganze Zeit diese grüne Farbe

Der erste Regenschauer auf See für diese Saison. Und ich segle seit dem 6.5 ;)

manchmal spuckte Neptun...

mir Gischt ins Gesicht







Auch heute morgen die ersten Geräusche, die Fähre, dann das Zerren der Leinen am Wackelsteg durch Schwell im Hafen.
Per email erfahre ich, dass Hapsalu zwar geschlossen ist, aber das Festmachen an der Anlage geht. Also schon mal gute Aussichten. Es ist zwar nicht klar, wohin wir segeln, aber erst mal weg. Bei SW-W um 6 gar nicht so leicht (auch die innere Unsicherheit ist ja da).
Im Hafen noch die Segel hoch (wie gestern beim Einlaufen war gerade die Fähre am Ablegen; na fein). Ein ganz kurzer Kreuzschlag zum Freisegeln vom Hafen und dann Kurs 320°. Ging super, nur mit kleiner Fock (Genua 3) konnten wir sogar Höhe laufen, wenns mal gebraucht wurde. Ansonsten nur mit Rumpfgeschwindigkeit dahin. Über Grund hat uns noch ein nordsetzender Strom geholfen und so standen fast immer 7 kn und mehr auf dem Kartenplotter.
Der Himmel war typisch Rückseite, mit Wolken, aber sehr vielen Sonnenlücken. Es hat richtig Spaß gemacht, sodass gar nicht mehr lange überlegt werden mußte, wohin. Hatten wir als 2. mögliches Ziel ja Dirhami (59°12,6N, 023°30 E) an der Nordwestecke des Festlandes angepeilt. 55 sm, aber bei dem Speed kein Problem.

Ein kurzer Regenschauer und danach abnehmender Wind ließ uns am Ende die letzten 3 Stunden "Platt vorm Lacken" ganz schön schaukeln.
Nach 9 Stunden dann fest in einem zwar nüchternen, aber geschützten und ruhigen Hafen mit 2 netten andere Booten (D,NL). Umgeben von riesigen Kiefernwäldern und einem langen Sandstrand. Außer den Hafengebäuden ist nichts an Bebauung zu sehen. Aber Duschen, normale Liegegebühren und wie immer Internet. Bin schon überrascht, wie verbreitet das hier ist. Ein Zeichen des Wandels?

Ansonsten muß touristisch noch einiges getan werden. Die Gegend ist wunderschön. Auch das Segeln zwischen den Inseln heute. Leider gibt es keine Inrastruktur, die Segler wirklich anlocken kann. Auf der Karte zu Hause sah ich die vielen Buchten, die ich besuchen wollte. Leider vergaß ich beim Träumen die Seekarten zu benutzen. Wie schon mal geschrieben. Keine Bucht ist für ein Segelboot tief genug.
Ansonsten gibt es alte Industriehäfen. Meist eine Betonpier (zu hoch für Segelboote) und meist wahllos angebrachte Schwimmsteg für Yachten. Oft sehr ungeschützt. Ich vermisse hier die Fischerboote, die man sonst in Skaninavien findet, die meist die Häfen prägen und deretwegen es diese Häfen ja auch gibt.
OK, hier ist es ja richtig nett, aber wie ist es, wenn ein "Großer" reinkommt?

Auf jeden Fall haben wir mit gutem Wind die 2 langen Etappen hier geschafft. Nun geht es in 2 kurzen Tagesetappen weiter bis Tallinn. D.h. 2 faule Tage sind noch drin.

Dienstag, 10. Juni 2008

Sechs von hinten


Das Hafengebäude von Virtsu mit Charme einer DDR-Grenzstelle

Große Fähren in nur 100m Entfernung

Hier oben werden sie festgemacht...

...und da unten sind "wir"

Landpartie

Immer bei der Arbeit


Das sind die schönen Ankerbuchten. Leider alle zu flach

Endlose lange und staubige Straßen durchziehen die Insel Sarremaa

Im Mühlenrestaurant

An Bord der ALEGRIA

Jeder hat seinen Job

Viel Wind und Welle

und auch einige Duschen gleich zu Beginn lassen die Laune nicht sinken


Und ein geiler Ritt wurde uns versprochen. Dann aber doch eher 8 als 6 Windstärken, 2-2,5m Welle, Surfs bis 10 Kn und das nur unter 2-fach gerefftem Groß. War sehr anstrengend, die 50 sm sind aber nach gut 8 Stunden absolviert. Nur liegen wir hier leider nicht wie in Abrahams Schoß.

Mir fehlen die kleinen geschützten dänischen und schwedischen Häfen. Wir liegen an einem kleinen Steg, der in einem Fährhafen liegt. Virtsu. Nur ein Finne hat sich hier noch verkrochen. Als Nothafen ist es akzeptiert. Aber sonst ist hier gar nichts. Dauernd die Schiffgeräusche (Beladen/Entladen/die Schraube läuft dabei) , dazu heult der Wind weiter mit 8 Bf, das Schiff zerrt an den Leinen. Da will man nur wieder weg. Nur wohin?

Haben gerade das Hafenhandbuch gewälzt. Es gibt nichts. Der einzige erreichbare Hafen morgen ist aus irgendeinem Grund geschlossen. Die 2 anderen sind nicht besser als hier, eher noch ungeschützter. Da der Wind morgen noch um 90 Grad drehen soll und es dann hier auch nicht mehr sicher ist, wollen wir unbedingt weg. Gegen Mittag soll der Wind zwar nachlassen, aber wenn er gegen W und NW dreht, müssen wir im engen Fahrwasser bei 5-6 bf kreuzen. Sind beide gerade mal niedergeschlagen. Kein Hafen unter 50 sm erreichbar, das habe ich so nicht gebucht. Die Karte zeigt so viele Buchten, aber alle sind eher zum Kneipen geeignet, als mit einem Boot zu befahren (Wassertiefe meist um 1 m).

Dabei hatten wir gestern so einen schönen Tag. In der Frühe haben uns Klaus und Evi von der SY ALEGRIA zu einer Landpartie per Mietwagen eingeladen. Einsame Insel, viel Wald, lange staubige Straßen, die kleinen Orte, die wir sehen wollten, waren meist nur ein paar Häuser.
Auch der neue Kreuzfahrthafen im Norden war "Cafe-freie" Zone, gut das ich ein paar Müsliriegel eingepackt hatte.

Von Anfang an verstanden wir uns prima. Klaus, in seiner Jugend weit gereist, hat nichts von seiner Neugier auf andere Länder verloren. Und Evi, seine Frau, ist eine ebenso neugierige Partnerin. Als sich dann noch rausstellte, dass ich Gitarre spiele, war ein netter Abend bei ihnen an Bord vorprogrammiert. Mit seinem Akkordeon zusammen spielten wir diverse alte Ohrwürmer.
Vorher waren wir noch in einer alten Windmühle essen. Gabi und mir schmeckte es ausgezeichnet, die gebackene Forelle dagegen war sehr trocken. Aber zum Spülen gab es reichlich einheimisches Bier.

Eigentlich wollten wir heute alle (4 deutschsprachige Boote) weiter nach Virtsu segeln. Wir waren aber die einzigen, die morgens um 6 aufgestanden und los sind. Die anderen hatten wohl noch einen Wetterbericht mehr gelesen.
Die nächsten Tage bleiben unklar, Fakt ist nur, wir wollen am Sonntag in Tallinn sein.